Samstag, 11. Februar 2012 |
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Mit Europa wurde am 29. Juni ein umfangreiches, simultanes Release veröffentlicht, das 20 Projekte sowie Eclipse 3.3 umfasste. Wir haben den Anlass genutzt, mit dem Geschäftsführer der Eclipse Foundation, Mike Milinkovich, über Europa zu sprechen.
Das letztjährige Callisto beinhaltete zehn Projekte – Europa allerdings, Callistos Nachfolger, umfasst doppelt so viele Projekte. Was muss ein Projekt leisten, um an Europa teilzunehmen? Gibt es eine Art Auswahlprozess?
M. Milinkovich: Es gibt keinen formalen Auswahlprozess. Die Projekte nehmen teil, wenn Sie die Community-Standards für die Teilnahme erfüllen und diese Standards werden auch innerhalb der Community selbst durchgesetzt. Zum Beispiel haben wir festgelegt, dass alle Projekte ihre JARs digital unterschreiben müssen. Eine Reihe von Projekten hat es immer wieder verschoben, aber letzten Endes war der Druck der Community so groß, dass sie die JARs doch unterschrieben haben. Bei den Vorraussetzungen für Europa kam es zu ähnlichen Verhaltensweisen.
Bietet die Eclipse Foundation eine organisationsinterne Unterstützung, um den Projekten dabei zu helfen, die gesetzten Vorraussetzungen für Europa zu erreichen?
M. Milinkovich: Die Mitarbeiter der Eclipse Foundation haben eine Reihe Telekonferenzen und face-to-face Besprechungen organisiert und geleitet, die den Europa Release Train ein wenig führen sollten. Außerdem sind die Europa Builds in der Eclipse Foundation zentralisiert und das Build-System gibt den Projekten Feedback darüber, ob sie die Vorraussetzungen erfüllen oder nicht. Jedes Projekt ist für seine eigenen Builds und Entwicklungen verantwortlich. Das heißt also: Nein, abgesehen davon, dass wir die Funktionen einer zentralen Vereinigung und Koordination erfüllen, bietet die Foundation keine Unterstützung an. Alle, die in Europa involviert waren (inklusive die Mitarbeiter der Foundation) haben am Testen der simultanen Veröffentlichung gearbeitet, aber die Beteiligung der Einzelnen lässt sich mehr als eine Leistung der Community zusammenfassen und ist weniger eine Leistung der Foundation
Mussten für Europa Änderungen im Projektmanagement vorgenommen werden oder wurde die Planung von Callisto komplett übernommen?
M. Milinkovich: Aufgrund der größeren Anzahl beteiligter Projekte bei Europa und dem Erfolg bei Callisto haben wir beschlossen, den Projekten selbst die Verantwortung für das Projektmanagement zu übergeben. Zum Beispiel hat der Build-Master bei Callisto alle Build-Probleme gelöst. Für Europa hielten wir das nicht für eine gute Lösung und haben stattdessen Tools entwickelt, um diese Arbeit den Projekten zu übergeben. Für die nächste simultane Veröffentlichung planen wir, diesen Weg noch deutlich weiter zu gehen.
An Europa teilnehmende Projekte müssen einen bestimmten Reifegrad erreicht haben, während andere dieses Niveau nicht erreicht haben. Endet das nicht vielleicht in einer Zwei-Klassen-Gesellschaft – die Projekte, die für Europa reif genug sind im Gegensatz zu denjenigen, die es eben nicht sind?
M. Milinkovich: Die simultanen Veröffentlichungen haben haben eine bessere Kommunikation und Zusammenarbeit zwischen den teilnehmenden Projekten gefördert, und Teil des Releases zu sein ist für viele Projekte etwas geworden, wonach sie streben. Obwohl wir uns einen Begriff der Projektreife vorstellen könnten, der drei Phasen umfasst, nämlich die der Inkubation, der Reife und letztlich die der Fähigkeit, am simultanen Release teilzunehmen, hat sich das bisher nicht durchgesetzt. Die Teilnahme an Europa ist freiwillig und die Projekte treffen selber die Entscheidung, ob Sie teilnehmen wollen oder nicht. Die Eclipse Foundation sucht nicht aus, welche Projekte reif genug sind, um teilzunehmen. Das Gute an dem Prozess, der sich bis heute entwickelt hat, ist, dass die Eclipse Community (meistens die Eclipse Committer) selbst derartige Entscheidungen trifft und nicht ein beliebiger Dritter – ja noch nicht einmal die Eclipse Foundation selbst.
Welcher Projektname wird für nächstes Jahr in Betracht gezogen: vielleicht Adrastea, Pasiphae oder sogar Ganymed, um der bereits bestehenden Marketing-Schwierigkeit der jährlichen Namensänderung noch einen draufzusetzen?
M. Milinkovich: Wir ändern tatsächlich jedes Jahr den Namen der Veröffentlichung, genau wie Apple die Releases der Betriebssysteme jedes Mal anders benennt. Für nächstes Jahr haben wir da an Ganymed gedacht, aber es stehen noch weitere Namen zur Debatte. Ehrlich gesagt, die Projekte wählen den Namen selbst und sie denken dabei weder an die Vor- noch an die Nachteile, die dadurch dem Marketing entstehen :-)