Samstag, 11. Februar 2012 |
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Master Data Management wird im Zusammenhang mit SOA-Projekten zunehmend wichtig. Einer der Experten in diesem Bereich ist Ray Wang von Forrester Research. Wir haben mit ihm darüber gesprochen, warum MDM vielleicht das entscheidende Thema der nächsten Zeit ist.
Warum sind Sie der Meinung, dass MDM der nächste große Aufgabenbereich wird mit dem sich Unternehmen auseinander setzen müssen?
Ray Wang:
MDM ist ein Problem, das Unternehmen bereits in den vergangenen 30 Jahren zu lösen versuchten. In der Vergangenheit lief das alles nicht in Echtzeit ab – das ist ein Grund dafür, dass so viel Energie in Business Intelligence (BI) gesteckt wurde. Seit jetzt jeder über SOA spricht ist der Bedarf, sich um MDM zu kümmern deutlich gestiegen.
Während des vergangenen Jahrzehnts haben Wissens-Management-Profis sich mit einer Vielzahl von Herangehensweisen zum Management von Kundendaten im Unternehmen beschäftigt. Einige dachten, dass sich Data Warehouses zu Echtzeit-Informationsquellen entwickeln würden – Datenzugriff ist aber noch immer ein Thema in Unternehmen. Eine andere Theorie ging davon aus, dass CRM-Anwendungen ausreichen würden, um sicher zu stellen, das immer auf die gleichen Informationen zugegriffen wird, wenn ein Mitarbeiter einen Kundendatensatz aufruft – unabhängig davon, aus welcher Abteilung heraus dies geschieht.
Und wie sieht es in den Unternehmen heute wirklich aus?
Ray Wang:
Die Wirklichkeit sieht anders aus: Voneinander getrennte ERP Systeme und unzureichende Daten Integration führten lediglich zu noch einem Blick auf die Kunden. Andere glaubten, dass BI Anwendungen die Lösung wären, um Kundendaten über unterschiedliche Datenquellen hinweg nutzen zu können. Nachteil dieses Szenarios: Die für die Nutzung der Daten nötige Integration bleibt kostenintensiv. Andere nutzten anerkannte Datenquellen, um Kundendaten zu erweitern und zu bereinigen, nur um festzustellen, dass die Genauigkeit der gerade otpimierten Daten schnell wieder nachließ.
Trotz all dieser Initiativen ringen Unternehmen noch immer darum exakte Kundendaten zusammenzustellen. CRM-Systeme, BI, anerkannte Datenquellen und Data-Warehouses sind alles wichtige Bestandteile des Ganzen. Um allerdings ein kontinuierliches Management der Kundendaten zu ermöglichen und größtmöglichen Nutzen aus den im Unternehmen vorhandenen Informationen zu ziehen, ist ein so genannter Customer Hub notwendig, der das Sammeln und die Verteilung von Kundendaten für andere Systeme möglich macht.
Ist es nicht merkwürdig, dass MDM im Zusammenhang mit SOA nicht bereits viel früher thematisiert wurde? Schließlich benötigt jede SOA ein effektives MDM.
Ray Wang:
Das ist richtig aber nicht merkwürdig. Bei diesem Thema wurde schlicht das Pferd von hinten aufgezäumt. In einer perfekten Welt hätte man mit MDM begonnen, wäre dann zu den nötigen Business Prozessen übergegangen, hätte sich um ERP, SCM etc. gekümmert. In der wirklichen Welt handeln Menschen weil ein Problem gelöst werden muss – und die tauchen in der Regel am Schluss auf. Dann merkt man, dass andere, tiefer liegende Fragen beantwortet werden müssen, um das ursprüngliche Problem lösen zu können.
Ist das auch der Grund dafür, dass Themen wie SOA meist von IT- und nicht von Business-Verantwortlichen behandelt werden?
Ray Wang:
Ja, hier herrscht noch immer der handwerkliche Ansatz vor “Hey Techniker, meine IT funktioniert nicht richtig – bringt das in Ordnung!” Das ist nebenbei bemerkt auch einer der Gründe, weshalb MDM-Projekte so oft gescheitert sind. Wenn man das Thema nur vom technischen Standpunkt behandelt, muss man scheitern. Nötig ist eine enge Zusammenarbeit mit der Business-Seite von Anfang an, damit deren Perspektive berücksichtigt wird.
Wie schätzen Sie das ökonomische Potenzial von MDM ein?
Ray Wang:
Ich gebe Ihnen ein Beispiel. Firmen geben jedes Jahr sieben bis zehn Milliarden Euro wegen falscher Adressen aus, weil Bestellungen falsch ausgeliefert werden, Kontaktinformationen ungenau sind oder nicht berücksichtigt werden. So kommt es dazu, dass beispielsweise Kunden angerufen werden, die ausdrücklich darum gebeten hatten, nur schriftlich kontaktiert zu werden. So verlieren Firmen Geld während gleichzeitig die Kundenzufriedenheit sinkt. Mit MDM können sie Geld sparen und die Zufriedenheit ihrer Kunden erhöhen.
Ihren Ansichten zufolge scheint es ein kluger Schachzug für Unternehmen zu sein, in MDM zu investieren. Was glauben Sie, wie viele Unternehmen werden MDM bis 2008 implementiert haben?
Ray Wang:
Ich schätze etwa sieben bis zehn Prozent der großen Unternehmen werden MDM bis 2008 implementieren.
Welche Firmen sind aus Ihrer Sicht im Moment in der Lage echte MDM-Lösungen anzubieten?
Ray Wang:
Um ein MDM anbieten zu können, muss der Anbieter in der Lage sein verlässliche Stammdaten zu identifizieren und zu pflegen. Dann kann er Kunden helfen diese Daten nutzbar zu machen, um Geschäftsprozesse und Entscheidungen durch effektive Informationslieferung zu verbessern. Heute kommt IBM dem Ziel am nächsten, eine einheitliche Infrastruktur zu bauen, die nötig ist, um alle Arten von Stammdaten zu unterstützen. Firmen wie SAP, Oracle oder Tibco liegen etwas zurück, arbeiten aber ebenfalls an diesem Thema. Dass Microsoft keine MDM-Lösung anbietet ist eine wesentliche Schwäche des .Net Ökosystems. Außerdem arbeiten spezialisierte Firmen wie Kalido, Initiate, Siperian und Purisma ebenfalls an leistungsfähigen MDM-Lösungen.
Das Interview führte Peter Pagel.