Samstag, 11. Februar 2012 |
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Letzte Woche haben Red Hat/JBoss und Exadel eine strategische Partnerschaft bekannt gegeben (wir berichteten). In diesem Zuge wird Exadel seine sämtlichen Produkte unter einer Open-Source-Lizenz verfügbar machen, einschließlich seiner Webentwicklungsumgebung Exadel Studio Pro und der Komponentenbibliothek RichFaces. Außerdem wird es sein Ajax4JSF-Projekt in das JBoss.org-Portal einbringen. RichFaces und Ajax4jsf sind mittlerweile als JBoss RichFaces bzw. JBoss Ajax4jsf auf JBoss.org zu finden. Exadel Studio Pro soll als Red Hat Developer Studio noch in der ersten Jahreshälfte 2007 Open Source vorgestellt werden. Das Java Magazin sprach mit Sacha Labourey, General Manager für JBoss in Europa, über die Partnerschaft.
Sacha, wie sieht die Partnerschaft mit Exadel genau aus?
Sacha Labourey: Die Partnerschaft zwischen Red Hat und Exadel besteht aus zwei Teilen. Zum einen wird Exadel seine kommerziellen Produkte Exadel Studio Pro und RichFaces als Open Source zugänglich machen. Die beiden Produkte werden dann als Red Hat Studio Developer und JBoss RichFaces auf JBoss.org erhältlich sein. Außerdem veröffentlicht Exadel sein bekanntes Ajax4jsf-Projekt, das momentan auf java.net gehostet wird, als JBoss Ajax4jsf auf JBoss.org. Zum anderen werden Red Hat und Exadel gemeinsam drei Projekte weiterentwickeln. Dazu gehört die Integration mit bestehenden JBoss-Plattform-Technologien wie JBoss Seam. Die gemeinsame Entwicklung wird von JBoss geleitet.
Auf den ersten Blick ergeben sich aus der Partnerschaft mit Exadel viele Vorteile für JBoss und die JBoss-Community. Welche Vorteile gibt es hier für Exadel? - Der eine oder andere spekulierte bereits, es handele sich bei der Partnerschaft um eine Übernahme ohne Bezahlung.
Labourey: Exadel wird weiterhin Professional Services für diese drei Produkte anbieten. Das ist schon immer ein starker Teil von Exadels Geschäft gewesen. Indem Red Hat Exadel bei seiner Software-Entwicklung und dem Produktmanagement unterstützt, kann sich Exadel besser auf diese Kernkompetenzen konzentrieren.
Welche Auswirkungen hat die Partnerschaft mit Exadel auf die JBoss-/Red Hat-SOA-Strategie und die weiteren Pläne für dieses Jahr?
Labourey: Mit dieser Partnerschaft können wir die Vereinheitlichung der JBoss-Middleware-Plattform weiter vorantreiben. Da Exadel vor allem Know-how in Entwicklungstools für den Aufbau serviceorientierter Architekturen mitbringt, können wir dieses Wissen für unsere JBoss.org-Community nutzen. Außerdem können wir Exadels Entwickler-Tools mit unserer JBoss Enterprise Middleware kombinieren. Red Hat kann dadurch eine vollständige Entwicklungs- und Implementierungsplattform anbieten. Mit dieser Plattform als Grundlage können Programmierer nicht nur SOA-Komponenten zusammenstellen, sondern auch Web 2.0-Applikationen.
Einer unserer Entwicklungsschwerpunkte für 2007 ist die "JEMS Grand Unification", also die Vereinheitlichung von JEMS (JBoss Enterprise Middleware Suite). Diese Vereinheitlichung wird im Management, in der Bereitstellung von Tools und im Programmiermodell vollzogen. Den Managementteil haben wir bereits vor zwei Jahren mit JBoss ON ins Leben gerufen. Der Teil der Toolbereitstellung wurde nun mit der Exadel-Partnerschaft initiiert. Und mit Seam wird das Programmiermodell betreut.
Das Tolle bei alledem ist, dass Gavin King die Leitung der "Grand Unification" übernimmt und damit der Vision von zwei Strategieteilen Gestalt gibt: der Bereitstellung von Tools und dem Programmiermodell. Gavin verfügt über große Glaubwürdigkeit, wenn es darum geht, den Entwicklern zu höherer Produktivität zu verhelfen. Das verspricht große Innovationen in diesen Bereichen.
Was passiert hinsichtlich der Services und Trainings für ehemalige Exadel-Produkte und -Projekte? Werden sie künftig von Red Hat und Exadel angeboten?
Labourey: Den Support übernimmt künftig Red Hat. Bei Training und Beratung werden wir eng mit Exadel zusammenarbeiten. Schließlich ist das Exadels Kerngeschäft.
Gibt es irgendwelche Konflikte bei den Lizenzen? Exadels Entwicklungsumgebung basiert ja auf Eclipse.
Labourey: Wir planen, das Red Hat Developer Studion unter einer GPL-basierten Lizenz zu veröffentlichen. Dabei werden wir sicherstellen, dass wir die EPL-Lizenz so respektieren, wie wir dies bisher mit allen anderen Lizenzen getan haben, egal ob in Open Source oder nicht. Darüber wird man mehr in den nächsten Monaten erfahren, wenn wir die Code-Basis Open Source veröffentlichen.
In Bezug auf die neuen Produkte und besonders das Eclipse-basierte Exadel Studio Pro lässt sich vermuten, dass JBoss.org eine Community-Plattform wird, die Eclipse.org Konkurrenz machen könnte. Wie denkst du darüber, besonders weil JBoss ja selbst ein Eclipse-Mitglied ist?
Labourey: Wir sind überhaupt keine Konkurrenz für Eclipse.org. Wie viele andere Anbieter arbeiten wir an vielen kleineren Eclipse-Projekten mit und stellen ein Produkt zusammen, das viele Erweiterungen auf Grundlage der Eclipse-Plattform anbietet. Daran hat sich nichts geändert.
Gavin King wird also die Integration des Projekts in das JBoss-Portfolio organisieren. In welchem Bezug steht das neue Projekt dann zu JBoss Seam, dem Gavin ja ebenfalls vorsteht?
Labourey: Wie bereits erwähnt, passt dies in unsere 2007er "Grand Unification"-Strategie, mit der wir die Entwicklung von Middleware-Anwendungen vereinfachen wollen. Es genügt nicht, Dinge zu vereinfachen, indem man sie hinter IDE-Wizards versteckt. Vereinfachungen müssen auch auf der Programmierebene eingeführt werden. Darum geht es bei Seam. Wir wollen das Red Hat Developer Studio auf jeden Fall mit vollständigem Seam-Support ausstatten. Es lohnt sich also, dranzubleiben bei uns!
Sacha, wir bedanken uns für das Gespräch
Die Fragen stellte Java Magazin-Redakteur Alexander Neumann.