Samstag, 11. Februar 2012


Interview

Montag, 18. Dezember 2006 | Interview

"Der Deal zwischen Microsoft und Novell wird an Red Hats Chancen wenig ändern." - Ein Interview mit Werner Knoblich

(Link zum Artikel: http://www.entwickler-magazin.de/business-technology//033219)
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Werner Knoblich, Red Hat

Werner Knoblich ist Vice President & General Manager EMEA von Red Hat. Nachdem sich die Aufregung um den Deal zwischen Microsoft und Novell hat sich in den letzten Tagen wieder einigermaßen gelegt hat ist es Zeit, einmal bei Red Hat nach einer ersten Einschätzung zu fragen.

Novell und Microsoft haben sich verpflichtet, ihre Patentrechte nicht gegen Kunden durchzusetzen, die die Produkte von Novell, bzw. Microsoft einsetzen. Man bietet seinen Kunden also Patentschutz an. Am Aktienkurs von Red Hat hat sich das Abkommen ja schon bemerkbar gemacht. Wie will man bei Red Hat verhindern, dass Kunden, die auf der sicheren Seite stehen wollen, zu Novell abwandern?

Werner Knoblich:
Kunden haben keinen guten Grund Novell zu wählen oder zu Novell abzuwandern. Daran ändert das Abkommen mit Microsoft nichts. Es hat noch keine einzige erfolgreiche Patentklage gegen Linux gegeben. Red Hat schützt seine Kunden und Mitglieder der Community zudem durch das Red Hat Assurance-Programm, das bereits seit Januar 2004 gilt und bisher nicht ein einziges Mal in Anspruch genommen werden musste. Es stellt sicher, dass Red Hat, in dem Fall, dass in Red Hat Enterprise Linux enthaltener Code geistiges Eigentum verletzte, den fraglichen Code ersetzen, modifizieren oder die Rechte daran kaufen würde. Somit ist sicher gestellt, dass Kunden Red Hat Enterprise Linux und damit zusammenhängende Lösungen ohne Unterbrechung einsetzen können.

Red Hat ist auch Gründungsmitglied des Open Invention Networks (OIN). OIN ist eine Organisation, die sicher stellt, dass Anwender und Entwickler kostenlosen Zugriff auf geistiges Eigentum erhalten, das mit Linux in Verbindung steht. Generell ist Red Hat gegen Patente. Wir bezeichnen die Patentrechtsschutzzahlungen zwischen Microsoft und Novell/Suse als "Innovationssteuer". Sie widersprechen dem Open Source-Gedanken und sind deshalb für Red Hat undenkbar.

Novell unterstützt mit seiner Version des OpenOffice Microsofts OpenXML-Format. Der entsprechende Code soll später auch als OpenSource in das normale OpenOffice mit einfließen. Wird Red Hat die entsprechenden Änderungen übernehmen?

Werner Knoblich:
Sollte sich der Code bewähren und als Open Source in den Upstream übernommen werden, wird Red Hat diese Änderungen sicherlich unterstützen. Ob das aber der Fall sein wird, lässt sich jetzt noch nicht abschätzen, denn wie sie sagten, liegt der Code noch nicht vor.

Was unternimmt Red Hat, um Microsofts OpenXML-Dokumente bearbeiten zu können? Wird man nur darauf warten, dass Microsoft eine ordentliche Import-/Exportfunktion für das OpenDokument-Format bereitstellt?

Werner Knoblich:
Red Hat ist generell überzeugt, dass der Weg zu Interoperabilität nur über offene Standards führt. OpenOffice ist bereits sehr leistungsfähig im Öffnen und Speichern in Microsofts proprietären Formaten. Wenn Microsoft beginnt, offene Standards zu unterstützen, werden wir das außerordentlich begrüßen.

Novell steht nach dem Deal mit Microsoft nach wie vor in der Kritik. Welche Chancen ergeben sich hier für Red Hat? Und wenn Novells empörte Open-Source-Community wechseln möchte – ist Fedora bereit?

Werner Knoblich:
Der Deal zwischen Microsoft und Novell wird an Red Hats Chancen wenig ändern. Allgemein steigt natürlich die Aufmerksamkeit für Linux und Open Source. Wir sind mit unserem Geschäftsmodell ohnehin äußerst erfolgreich und werden es auch bleiben, unabhängig von Novells Geschick. Wir gewinnen neue Kunden aufgrund unserer konsequenten Open Source-Ausrichtung, der technischen Qualität unserer Lösungen und unseres hervorragenden Supports. Nicht umsonst sind wir zweimal in Folge von CIOs zu dem Unternehmen gewählt worden, dass ihnen den größten Mehrwert liefert.

Das Fedora-Projekt steht generell allen offen, die Open Source Software entwickeln wollen. Viele Entwickler arbeiten ohnehin an mehreren Projekten mit. Zahlreiche Entwickler, die sich bislang stark auf Suse konzentrierten, haben den Deal aber bereits als Anlass genutzt, verstärkt Fedora zu unterstützen.

Durch den Deal gewinnt kommerzielles Linux an Ansehen. Allein dadurch, dass hier mit Microsoft DER Anbieter von Closed-Source-Lösungen öffentlich bekennt, dass Linux aus dem Business nicht mehr wegzudenken ist. So gesehen ist die Partnerschaft von Novell und Microsoft also ideal für Red Hat?

Werner Knoblich:
Wie ich bereits erwähnte, wird der Deal mittel- und langfristig kaum Auswirkungen auf unser Geschäft haben.

Mark H. Webbink hat in seinem Blog Novell den Vorwurf gemacht, dass hier einer der großen Open-Source-Vertreter sich öffentlich zu Microsofts Patent-Portfolio bekennt. Das man also quasi die Existenz von Patenten anerkennt. Auf der anderen Seite hat sich das Abkommen finanziell für Novell gelohnt. Angesichts der Millionen, die hier den Besitzer gewechselt haben – wann wird Red Hat bei Microsoft unterschreiben?

Werner Knoblich:
Wie ich bereits erwähnte, ist so ein Deal für uns undenkbar. Wir lehnen Innovationssteuern in jeder Form ab. Open Source ist zentraler Bestandteil unserer Firmenphilosophie. Zudem sind wir ein sehr gesundes Unternehmen und auch deshalb auf keinerlei zweifelhafte Zahlungen angewiesen. So ein Deal kommt folglich für uns nicht in Frage.

Herr Knoblich, vielen Dank für das Gespräch!

Das Interview führte Robert Lippert.

(rl)

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