Entwicklungswerkzeuge waren in der fernen Vergangenheit ganz selten kostenlos zu haben, geschweige denn solche, die eine Anbindung an professionelle Datenbanksysteme ermöglichen. Nun denn, das ist mittlerweile auch im Hause Borland die Vergangenheit. Anfang September hat Borland sein Borland Developer Studio unter dem bewährten Turbo Logo in abgespeckter Version als Explorer Edition neu ins Rennen geschickt.
Während die kostenlose Vorgängerversion unter dem Namen Personal Edition keine ernst zu nehmende Datenbankfähigkeit mitbrachte, hat sich das mit den Turbo- Editionen geändert. Gleichzeitig bekommt man mit der neuen Turbo Professional Edition für vergleichsweise wenig Geld ein sehr attraktives Produkt, welches einige weitere Einschränkungen der Explorer Edition nicht hat.
Nachdem in der jüngeren Vergangenheit immer mehr Umsteiger von Borland-Produkten auf die Microsoft Visual-Studio-Produkte umgestiegen sind, war ein Schritt im Hause Borland unumgänglich, schließlich hat Microsoft mit den Visual Studio Express Editionen die Messlatte für kostenlose datenbankfähige Entwicklungswerkzeuge deutlich höher gehängt. Gerade unter den Lesern dieser Zeitschrift sind jedoch viele zu finden, die seit langen Jahren ihr Know-how auf Basis der VCL und der Pascal-Sprache in Verbindung mit Datenbankservern wie InterBase, Firebird oder Oracle aufgebaut haben, und diese werden innerhalb der Microsoft-Welt verständlicherweise ziemlich stiefmütterlich behandelt.
Ein Umstieg auf eine völlig neue Programmiersprache und IDE sowie die Auswechselung des benutzten Datenbankserversystems sind aber Projekte, die man nicht mal eben zwischen Tür und Angel hinter sich bringt. So manche Basisfunktionalität der eigenen Software basiert auf Quellcodes, die manchmal schon fünf oder zehn Jahre unverändert benutzt werden, weil diese eben das machen, wofür diese geschrieben wurden. Warum soll man sie dann auch austauschen. Gerade wenn mit der Umstellung der Software auch gleich völlig neue Techniken in der IDE, der Programmiersprache, der Bibliotheken und der Datenbanktechnik einher gehen, gerät so manches Projekt in Schwierigkeiten. Man bleibt also auf der bewährten Plattform und schleppt diese so lange mit wie möglich, weil man die Investition an Zeit und Geld in die neuen Entwicklungsumgebungen und Umstellung verständlicherweise scheut. Wenn man für mehrere Entwickler sowohl bei Microsoft als auch bei Borland aufgrund der gewünschten Funktionalität auf die Architect Edition umsteigen will, dann ist das nun mal kein Kleingeld.
Man sieht immer wieder auf den diversen Roadshows und Konferenzen, dass selbst die treuesten Borland-Fans selten die neueste Version wirklich kennen, geschweige denn produktiv im Einsatz haben. Einerseits, weil man mit der Personal Edition nichts Sinnvolles im Datenbankumfeld anstellen konnte und andererseits, weil der früher übliche Kauf der aktuellsten Entwicklungsumgebung, nur weil diese gerade erschienen ist, spätestens mit Delphi 8 eingestellt wurde. Bei vielen Entwicklern ist der Umstieg von Delphi 7 auf die neue BDS-IDE noch nicht geplant, obwohl diese sehr viele Vorteile bietet.
Nun zur Praxis
Nach der Installation der Turbo Delphi Win32 Explorer Edition erscheint die IDE zunächst in dem vom BDS 2006 gewohnten Layout und bietet eine große Bandbreite der dort verfügbaren Komponenten und Funktionen. Nach dem Erstellen einer neuen VCL-Formularanwendung kann man auf die vorhandenen Datenbankkomponenten für dbExpress, BDE und ADO zugreifen. Auch alle bekannten Datensteuerungskomponenten wie DBGrid, DBNavigator und vieles mehr stehen zur Verfügung.
Die Erstellung einer Datenbankanwendung auf Basis dieser Komponenten ist im Prinzip immer noch kompatibel zur bisherigen Vorgehensweise in älteren Delphi-Versionen und kann mit entsprechenden Beispielen auch schnell nachvollzogen werden.
Nun sprechen jedoch verschiedene Gründe gegen eine Benutzung der mitgelieferten Datenbankkomponenten. Beispielsweise ist die BDE ein Relikt aus vergangenen Zeiten und auch heute noch eine unerschöpfliche Quelle seltsamer Probleme beim Endanwender. Auch das Prinzip, auf dem ADO basiert, ist nicht jedermanns Favorit, weil dort viele Aufgaben im Client abgearbeitet werden, die sich dann erst später auf dem Server auswirken. In verschiedenen Foren wird das teilweise sehr intensiv diskutiert.
Die Developer Tools Group von Borland hat die bekannte Marke „Turbo“ wieder aufleben lassen und bekannte Tools wie beispielsweise Delphi unter neuem Namen veröffentlicht. Hierbei handelt es sich nicht um neue Produkte, vielmehr gilt das Produktset als Fortführung der aktuellen Produktreihe. Es beinhaltet Turbo Delphi for Win32, Turbo Delphi for .NET, Turbo C++ und Turbo C#. Die .NET- und C#-Produkte unterstützen .NET und ASP.NET. Jede Version ist in zwei Editionen erhältlich: Turbo Explorer und Turbo Professional. Die Explorer-Version ist kostenfrei erhältlich, die Professional-Version kostet bis zu 500 US-Dollar. Für Studenten gibt es ein spezielles Angebot, sodass sie für diese Version bloß bis zu 100 US-Dollar zahlen müssen.
Nicht nur die Lizenzpolitik erweckt den Anschein, dass vermehrt Studenten und Hobbyentwickler an Bord geholt werden sollen. Auch die Betonung der Einfachheit bei der Benutzung lässt Anfängern den Einstieg leicht machen, so David Intersimone (Vice President of Developer Relations und Chief Evangelist der Borland Developer Community).
Profi-Entwickler sollen mit der Professional-Edition auf ihre Kosten kommen, denn diese soll mehr als 200 vorgefertigte Komponenten mitbringen, erweiterbar sein und die Möglichkeit bieten, weitere Komponenten und Add-ins einzubinden. Besondere Betonung liegt auf der Win32-Version, sodass nicht mehr der Umstieg auf .NET an erster Stelle steht, sondern die Weiterentwicklung der Tools, sei es auch für die traditionelle Win32-Plattform.
Als Borland vor über 20 Jahren Turbo Pascal auf den Markt brachte, kam dies einer kleinen Revolution gleich: Zum ersten Mal wurden verschiedene Werkzeuge in einem Paket vereint und als integrierte Entwicklungsumgebung (IDE) auf den Markt gebracht. An diesem Erfolg soll, so scheint es, nun angeknüpft werden. Laut Michael Swindell, Senior Director of Product Management für die Borland Developer Tools Group, gilt die Marke als Klassiker, die Technologien und das Potenzial der neuen Turbo-Editionen seien jedoch innovativ.
Er geht davon aus, dass, wenn die Ansprüche der Turbo-User steigen, diese nahtlos Richtung Borland Developer Studio switchen können. Weiterhin weist Swindell darauf hin, dass nach dem Spin-Off ebenso andere aufkommende Sprachen und Frameworks wie beispielsweise Ruby on Rails künftig zu den Turbo-Produkten gehören könnten. Wir dürfen weiter gespannt sein, wie die Community darauf reagiert.
Magdalena Rendulic
Das folgende Beispiel beschreibt nun die Erstellung einer Datenbankanwendung auf Basis der kostenlosen Open-Source-Datenbank Firebird und den sehr beliebten Jedi-JVCL-Komponenten. Gerade die Installation der Jedi Komponenten erfolgt bei anderen Delphi-Version sehr gut automatisiert, aber da in der Explorer Edition diese gar nicht installiert werden können, braucht man diesen Versuch gar nicht zu starten. Es reicht auch, das Paket JVCL320SourceOnly.zip. Je nach benutzter Komponente sollte man zusätzlich auch die Jedi-JCL-Bibliothek herunterladen. Die benötigten Dateien sind im Archiv jcl1.97-build2172.zip zu finden. Während in der JVCL die visuellen Komponenten zusammengefasst sind, findet man in der JCL die Code Library, also sehr viele interessante Standardroutinen für den Einsatz mit allen aktuellen Delphi-Versionen. Nach dem Download der Archive werden diese mit Unterverzeichnissen an einem passenden Ort auf dem Datenträger entpackt.



