Sonntag, 12. Februar 2012 |
AJAX liefert Desktop-Benutzerqualität im Browser. Das macht AJAX interessant für alle Anwendungen, in denen die "Cost of Ownership" einer Client-Installation von Relevanz ist. Der typische Entscheidungsweg hin zu AJAX ist: Für ein Vorhaben reicht die Interaktivität klassischer Web-Frameworks, in denen Seiten immer wieder vom Server zum Browser gebracht werden, nicht aus. Es werden dann drei alternative Ansätze diskutiert: Erstens die explizite Installation eines Clients beim Benutzer, z.B. unterstützt durch Java WebStart, zweitens die Verwendung von Plug-ins im Browser, z.B. Macromedia-Plug-ins, oder drittens, die Nutzung von mitgebrachten, ureigenen Browsertechnologien, HTML und JavaScript, sprich: AJAX.
Von der Installation eines Clients bis zur Verwendung von Plug-ins im Browser
Ansatz eins hat den Nachteil einer doch etwas länglichen - und damit auch komplexeren Installation. Zudem läuft ein explizit installierter Client nicht im Browser ab, sondern als parallele Anwendung - und kann somit nicht mit anderen Browseranwendungen integriert werden. Ansatz zwei wird oft kritisch beäugt, da hier von einem proprietären Plug-in-Konzept Gebrauch gemacht wird. Der AJAX-Ansatz verspricht eine echte Integration in den Browser, also die direkte Erreichbarkeit einer komplexen Anwendung über einen URL. Die zurzeit als Hype betrachteten AJAX-Anwendungen lassen sich wie folgt kategorisieren.
Kategorisierung von AJAX-Anwendungen
Da gibt es zunächst Anwendungen rund um geographische Informationen, Google Local oder auch Microsoft Virtual Earth als prominenteste Vertreter. Riesige Datenbestände von Satellitenbildern werden dem Benutzer in die Häppchen portioniert, die er überhaupt sehen will. Eine komfortable Navigation erlaubt den Zugriff. Um die eigentlichen Kernanwendungen herum schart sich mittlerweile eine lange Reihe von darauf aufbauenden Anwendungen, zum Beispiel Immobilienmaklersysteme, in denen man zu einer angebotenen Immobilie gleich deren Standort im Satellitenbild sehen kann.
Dann existieren Anwendungen rund um die Mail-Verarbeitung. Prominenteste Vertreter hier: Google Mail und Zimbra. Insbesondere Letzteres glänzt durch eine sehr schöne Oberfläche, die aufzeigt, was im AJAX-Umfeld alles möglich ist. Wie bei Mail-Clients üblich, gibt es die ergänzenden Anwendungen wie Kalenderverwaltung, Kontaktverwaltung etc. Mail-Anwendungen kommt zunehmend die Rolle der "Killer"-Anwendung zu. Jeder braucht sie, jeder Mail-Service-Provider muss sie anbieten und die Zufriedenheit der Anwender mit klassischen Web-Mail-Clients ist doch sehr begrenzt.
Ein zunehmender Trend ist das Bearbeiten von Texten direkt im Browser als Startpunkt für kleine Office-Anwendungen. Die Übernahme des Tools "writely" im März dieses Jahres durch Google lässt vermuten, dass auch hier Google zu den Trendsettern gehört – aber es gibt mittlerweile eine Vielzahl von Herstellern von WYSIWYG-Editoren, in denen der Anwender direkt im Browser HTML-Texte erfassen kann. Die Online-Office-Anwendungen können natürlich bezüglich ihrer Funktionalität nicht mit ihren großen Brüdern mithalten - haben aber das Potenzial, die Rolle des "Jedermanns-Office-Paketes" übernehmen zu können. Zudem können Sie, da von vornherein serverbasiert aufgebaut, erweiterte Dienste anbieten - vom Speichern, Versionieren und Verwalten der Dokumente auf dem Server bis hin zum kollaborativen Bearbeiten von Dokumenten (Wiki lässt grüßen!).
Technologie-Hype mit Nutzungspotenzial
AJAX ist in der öffentlichen Wahrnehmung ein Technologie-Hype und gerade dabei, seinen Weg in die Nutzung zu finden. Jeden Tag entstehen neue Anwendungen, von kleinen Tools bis hin zu komplexen Anwendungen. Die Zeit spielt dabei für AJAX: Der doch vorhandene Ressourcenhunger der JavaScript-basierenden Browserverarbeitung wird durch schnellere Hardware gestillt, die Anforderung, im Client einen aktuellen Browser vorzufinden, bereitet nur noch in Ausnahmefällen Probleme und die Frameworks zur Erleichterung der AJAX-Entwicklung werden immer besser. - Björn Müller, Software AG
Björn Müller leitet bei der Software AG den Bereich "XMLi User Interfaces", der u.a. eine AJAX-basierte Frontend-Lösung für interaktive Unternehmensanwendungen verantwortet. Mit seiner Firma Casabac (heute Teil der Software AG) war Björn Müller einer der frühen AJAX-Pioniere in Deutschland.