Sonntag, 12. Februar 2012 |
Im September dieses Jahres ist IONA der Eclipse Foundation als Strategic Developer und Vorstandsmitglied beigetreten. Dabei wurde auch das SOA Tools Project auf eclipse.org initiert. Grund genug für uns, bei IONAs Cheftechnologen nachzuhaken.
Als Chief Technology Officer bei IONA ist Eric Newcomer verantwortlich für die Leitung und Kommunikation von IONAs Technology Roadmap und für die Produktstrategie hinsichtlich der Bestimmung von Standards, der Architektur und des Produktdesigns. Newcomer ist seit November 1999 bei IONA, nachdem er fast 16 Jahre bei Digital/Compaq in verschiedenen technischen Bereichen und Management-Funktionen gearbeitet hatte. Newcomer leitet IONAs Mitwirken an allen Standardisierungsvorgängen und war von Anfang an mit der Standardisierung von Web Services befasst. Er zählt zu den Gründungsmitgliedern der XML Protocol Working Group bei W3C, die SOAP 1.2 entwickelt hat. Darüber hinaus ist er ehemaliger Herausgeber der Web Services Architecture Specification bei W3C und vertritt IONA gegenüber OASIS und WS-I. Newcomer ist Co-Autor und Herausgeber der kürzlich veröffentlichten Web Services Composite Application Framework (WS-CAP)-Spezifikation und Co-Vorsitzender des technischen WS-CAF-Komitees bei OASIS. Neben seiner Rolle als Speaker bei zahlreichen Konferenzen schreibt Newcomer für Zeitschriften und Webseiten, ist u.a. Verfasser des Buches "Understanding Web Services" (Addison-Wesley, 2002). Sein neuestes Werk "Understanding SOA with Web Services" erschien 2004 bei Addison-Wesley.
Aus welchem Grund ist IONA der Eclipse Foundation beigetreten?
Eric Newcomer: Eine gute Infrastruktur benötigt gute Tools – und Eclipse ist zurzeit der Ort, an dem
man gute Tools herstellen kann. IONAs Hauptaugenmerk liegt auf der Entwicklung und Unterstützung von
hochwertiger Runtime-Infrastruktur für SOA-Deployments, einschließlich einiger der größten und am meisten
herausfordernden SOA-Deployments weltweit. Durch die Arbeit bei Eclipse ergibt sich außerdem die
Gelegenheit, mit anderen führenden SOA-Anbietern zusammenzuarbeiten, um erstklassige Werkzeuge
ökonomisch effizient zu produzieren, von denen letztlich alle Beteiligten – Anbieter und Anwender –
gleichermaßen profitieren.
Was bedeutet der Beitritt für IONAs Business-Strategie?
Newcomer: Das Mitwirken bei Eclipse ist ein Teil von IONAs Open-Source-Strategie. Im Moment
verfolgen wir hinsichtlich unserer ESB-Software eine Doppelstrategie. Einerseits haben wir das kommerzielle
Produkt, Artix, das bereits in großen SOA-Deployments genutzt wird, andererseits leiten wir innerhalb des
ObjectWeb-Konsortiums ein Open-Source-ESB-Projekt namens Celtix, von dem wir erwarten, dass es das Tool
für Departmental oder Commodity Level Deployments wird. Es ist wichtig, eine Reihe von Entwicklungs-Tools
zu haben, die sowohl von Artix als auch von Celtix genutzt werden können, weil wir davon ausgehen, dass
manche Kunden beide Produkte verwenden werden oder möglicherweise von einem auf das andere umsteigen
möchten, weil es den Anforderungen ihrer Applikationen entgegen kommt. Unsere Open-Source-Strategie ist
es, die Annahme von SOA voranzutreiben, indem die Basis-SOA-Infrastruktur frei verfügbar ist. Wir glauben,
dass die Verfügbarkeit von SOA-Werkzeugen via Open Source, betreut von Eclipse, dabei eine entscheidende
Rolle spielt.
Der Bedarf an erstklassigen Werkzeugen wurde deutlicher, als wir mit unserer Open-Source-Strategie weiter
fortgeschritten waren. Eclipse-Tooling ist bald zu dem Entwicklungs-Tool geworden, sodass die Wahl natürlich
auf Eclipse fiel. Beinahe jeder große Softwareanbieter stellt Eclipse-basiertes Werkzeug für seine Produkte
bereit, darunter IBM, BEA und Intel. IONA hat mit der Einführung von Artix 3.0 begonnen, ein
Eclipse-basiertes Werkzeug zu liefern, welches eine gute Code-Grundlage für das Projekt darstellt. Wir
bemerken außerdem, dass sich die SOA-Infrastruktur über ESB-Fähigkeiten hinaus erstreckt. Die Leitung des
SOA-Tools-Projekts ermöglicht uns die Zusammenarbeit mit führenden SOA-Infrastruktur-Anbietern, um eine
gemeinsame Vision zu realisieren.
IONA ist davon überzeugt, dass erfolgreiche SOA-Deployments anbieterneutral sein sollten und können.
Organisationen sollten in der Lage sein, SOA unabhängig von bereits vorhandenen Technologien einzusetzen.
Das sollte auch in ihrem Tooling zum Ausdruck kommen. Eclipse ist das Entwicklungs-Tool erster Wahl und die
Gelegenheit, Eclipse mit ESBs und weiteren SOA-Infrastruktur-Technologien auszurüsten trägt dazu bei, SOA in
einem Umfeld verschiedener Anbieter einzusetzen. Im Augenblick ist es aber noch schwierig, einen genauen
Liefertermin zu nennen. Das SOA Tools Platform-Projekt ist noch in der Ausschreibungsphase und wir erwarten,
dass das Projekt nach seiner Bewertung, die für alle Top-Level-Projekte abgegeben wird, genehmigt wird.
Dieser Prozess dauert normalerweise 30 bis 90 Tage. IONA und die Eclipse Community werden regelmäßig über
den Fortschritt des STP-Projekts informieren.
Können Sie das SOA-Tools-Projekt bitte näher beschreiben? Welche Ziele verfolgt es?
Newcomer: Der STP-Project-Ansatz ist der, eine integrierte Entwicklungs-Tooling-Plattform für
SOA-basierte Infrastruktur bereitzustellen und damit die Grundlage für einen erweiterbaren Satz von
Werkzeugen zur Herstellung von SOA-Applikationen zu schaffen. Zweifellos können sich Entwickler das
benötigte Werkzeug auch bei kommerziellen Anbietern selbst zusammensuchen, Werkzeug, das auf die
Technologien zugeschnitten ist, mit denen sie bereits Applikationen schreiben. SOA verspricht jedenfalls, neue
Applikationen herstellen und Business-Prozesse unterstützen zu können, ohne durch die Auswahl im
Unternehmen eingeschränkt zu sein. Eine Eclipse SOA Tooling Platform befreit Entwickler vom Zwang, die
Plattformen zu wechseln, um einzelne Bestandteile einer SOA zu entwickeln. Das steigert letztlich die
Produktivität und verringert die Komplexität. Der anfängliche Spielraum der STP-Projektausschreibung wird
wesentliche Entwicklungsanforderungen für Service Consumer und Provider umfassen: die Konfiguration
physikalischer Attribute eines Service, die Formulierung der Strategie und der Steuerung für Zugang und
Anwendung von Services, Auffinden oder Hinzufügen von Services zu einer SOA, die Herstellung von
Deployment-fähigen Artefakten und die Durchsetzung bzw. das Management von SOA-basierten
System-Participants.
Das übergeordnete Ziel ist die Entwicklung eines standardisierten Frameworks mit Tooling-Modulen, welches
die verschiedenen Aspekte der SOA-Infrastruktur – einschließlich Serviceherstellung und -management,
Registry- und Repository-Management, ESB-Tooling, Service Composition, Business Process Orchestration usw.
– abdeckt. Das Projekt wird mit einigen bestimmten Aspekten rund um Enabling-, Deploying- und
Managing-Services beginnen und im Laufe der Zeit zusätzliches Tooling für weitere
SOA-Infrastruktureigenschaften und -funktionen hinzufügen.
Welche Unternehmen sind beteiligt und welche Aufgaben übernimmt IONA im Projekt?
Newcomer: ObjectWeb und Sybase wirken am SOA Tools Platform Project mit und sitzen mit IONA im
PMC. Zahlreiche Unternehmen und Eclipse-Mitglieder haben Interesse gezeigt, sich in einer offizielleren
Funktion für das Projekt zu engagieren – das sollte nach der Ausschreibungsphase möglich sein. Wir erwarten,
dass sich noch einige andere SOA-Anbieter dem Projekt anschließen. IONA trägt derzeit mit dem in Artix
verfügbaren Eclipse-basierten Tooling, unserem kommerziellen ESB, zum SOA-Tools-Platform-Projekt bei. Wir
freuen uns darauf, gemeinsam mit den anderen Eclipse-Mitgliedern Sub-Projekte zu gründen, um ein Werkzeug
für notwendige SOA-Infrastruktur-Technologien zu entwickeln.
Inwiefern unterscheidet sich das SOA Tools Project vom ALF Project, das sich auch mit SOA-relevanten
Themen beschäftigt?
Newcomer: Beim Application Lifecycle Management (ALF) geht es um die Koordinierung der
Milestones während des Application-Development-Prozesses von der Überwachung über den Einsatz bis zur
Optimierung. Ich denke, dass sich das ALF- und das SOA Tools Platform Project sehr gut ergänzen, weil
ersteres für diejenigen, die SOA-basierte Applikationen entwickeln und einsetzen, ein wichtiges Lifecycle
Management Framework zur Verfügung stellen kann.
Im Juni hat IONA mit Celtix eine Open-Source-ESB angekündigt, die bei ObjectWeb entwickelt werden
wird. Darüber hinaus wirkt IONA zusammen mit Sonic und anderen beim Apache-Projekt Synapse mit. Kommen
sich Celtix und Synapse in STP näher?
Newcomer: Unsere Arbeit an Celtix, Synapse und Eclipse ist eng miteinander verbunden und Teil
unserer Strategie, Open Source und SOA zum Durchbruch zu verhelfen. Wir erwarten, dass das Eclipse SOA
Tools Project SOA-Werkzeug für beide Projekte bereitstellen wird. Die Ziele von Synapse und von Celtix
unterscheiden sich dahingehend, als dass Synapse die Entwicklung eines auf Axis2 basierenden
Web-Services-Vermittlers beabsichtigt, während sich Celix auf die Herstellung einer vollständigen
ESB-Umgebung konzentriert. Trotzdem gibt es gewisse Synergieeffekte, die wir durch die Zusammenarbeit zu
nutzen hoffen. Außerdem gehen wir davon aus, dass durch das Eclipse-SOA-Tools-Projekt sowohl für Celtix als
auch für Synapse ein gemeinsames Tooling-Framework zur Verfügung stehen wird.
Wir danken Ihnen für das Gespräch.
Die Fragen stellte Alexander Neumann.