Sonntag, 12. Februar 2012


Interview

Donnerstag, 15. September 2005 | Interview

David A. Chappell: IBM und BEA werden den JSR 208 unterstützen müssen

(Link zum Artikel: http://www.entwickler-magazin.de/php/kolumnen/029792)
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David A. Chappell

Sonic Software definiert sich als das Unternehmen, welches die Enterprise Service Bus-(ESB-)Idee eingeführt hat. Auch ist die Referenzimplementierung des JSR 208 – Java Business Integration –, die auf die ESB-Technologie als Infrastruktur zurückgreift, mittlerweile final. Sonic ist in der Expert Group und hat im Frühjahr dieses Jahres ein neues Produkt namens Enterprise SOA Suite veröffentlicht, welches auf dem Enterprise Service Bus des Unternehmens basiert. Grund für uns, Sonic VP und CTO David Chappell auf den Zahn zu fühlen.

Dave Chappell ist als Vice President und Chief Technology Evangelist bei Sonic Software tätig. Er bringt über 20 Jahre Erfahrung in der Entwicklung von Software-Tools und Infrastruktur für Applikationsentwickler in den verschiedenen Bereichen wie R & D, Vertrieb, Marketing, Support und Services. Als Director of Engineering für SonicMQ war Dave Chappell verantwortlich für das Design und die Entwicklung der ersten kommerziellen Implementierung von Java Message Services.

Sonic definiert sich als Unternehmen, das für die Einführung der Enterprise Service Bus-(ESB-)Idee steht. Nun hat man aber im Frühjahr dieses Jahres ein Produkt namens Enterprise SOA Suite 6.1 veröffentlicht. Springt man da nicht von einem Hype-Thema zum nächsten?
Dave Chappell:
Nein, dies ist eine natürliche Weiterentwicklung, weil bei den strategischen SOA-Projekten vieler Unternehmen ein ESB im Mittelpunkt steht. Wir haben die Sonic-Produktfamilie durch Tools und zusätzliche Services erweitert, die IT-Architekten in Unternehmen beim Aufbau einer SOA auf der Grundlage des Sonic ESB noch besser unterstützen. Bezogen auf die Lizenzierung und Zusammenstellung von Produktpaketen ist die SOA Suite zugleich eine Bündelung des Sonic ESB mit ESB-Zusatzprodukten wie XML-Server, Orchestration Server und anderen Produkten, die zuvor separat verkauft wurden.

Um was handelt es sich bei dieser neuen Suite?
Chappell:
Die Sonic SOA Suite ist eine umfassende Plattform für verteilte Services und basiert auf dem ESB (Enterprise Service Bus). Sie bietet Möglichkeiten für das Management von Geschäftsprozessen und sorgt damit für einen transparenten Einblick in die geschäftlichen Abläufe des gesamten Unternehmens. Die Sonic SOA Suite erweitert den Sonic ESB. Sie stellt Möglichkeiten für die Koordination von Services, das Management von Betriebsdaten auf XML-Basis sowie den vollständig integrierten Zugriff auf relationale Datenquellen bereit. Die Sonic SOA Suite ist eine organisch zusammenhängende Lösung für ein umfassendes Ereignis- und Prozessmanagement und ermöglicht eine dynamische Verwaltung, Vermittlung und Koordination von Services in einer konsistenten serviceorientierten Architektur. Die Produkte der Sonic SOA Suite sind Sonics ESB, Orchestration Server, XML Server und Database Service.

Zum Thema SOA: Wie würden Sie SOA im Kontext von Sonic definieren? Und wie ist der ESB im SOA-Kontext anzusiedeln bzw. wie grenzt sich Sonic von anderen Firmen wie SAP oder IONA ab?
Chappell:
SOA ist ein Architekturmodell, mit dem Enterprise-Architekten zusammengesetzte Applikationen, so genannte Composite Applications, entwickeln können, die auf lose gekoppelten Service-Schnittstellen basieren. Diese zusammengesetzten Applikationen enthalten neue Funktionen zur Automatisierung von Geschäftsfunktionen, bei denen neu entwickelte Services mit der Funktionalität vorhandener Altapplikationen kombiniert werden, um den Bedürfnissen des gesamten Unternehmens gerecht zu werden. Dabei können die entsprechenden Funktionen auch auf Partnerunternehmen ausgedehnt werden. Die Auswahl der Infrastruktur, auf deren Grundlage die SOA aufgebaut werden soll, sollte sich am Umfang und der Breite der SOA-Anforderungen des Unternehmens orientieren.
Der Sonic ESB bildet das Fundament für den Aufbau einer Enterprise SOA. Anstatt Schnittstellen und Protokolle zu programmieren, werden beim ESB standardbasierte Schnittstellen und Protokollunterstützungsfunktionen konfiguriert. Hierdurch sowie durch eine große Anzahl von Tools und zusätzlichen Services verfügt der Sonic ESB über die notwendige Flexibilität zur Konfiguration, Implementierung, Überwachung und Verwaltung einer SOA, die den hohen Anforderungen anspruchsvoller Unternehmen gerecht werden kann.
SAP liefert ein Integrations-Tool, bei dem "SAP im Mittelpunkt des Universums steht". IONA bietet eine Protokoll-Handling-Software an, die in jedem Endpunkt implementiert werden muss. Der Sonic ESB ist meines erachtens ein universelleres Tool, das auf der Philosophie beruht, dass das gesamte Design Center von dem abhängig ist, was sich im Mittelpunkt befindet. Durch die Schaffung eines gemeinsamen Gefüges kann der Sonic ESB nicht nur die Interaktionen zwischen unterschiedlichsten Applikationen und Services verbinden, vermitteln und steuern, sondern auch Zusatzfunktionen bereitstellen. Neben der Realisierung föderativer Sicherheitsumgebungen gehört hierzu beispielsweise die Skalierbarkeit in sämtlichen Richtungen, und zwar sowohl auf der Ebene der Services als auch auf der Messaging-Ebene, oder die Sicherstellung einer hohen Verfügbarkeit der Services und der zugrunde liegenden Infrastruktur durch die Continuous Availability Architecture (CAA), welche verhindert, dass Hardware- oder Softwareausfälle zu einer Beeinträchtigung der Arbeit im Unternehmen oder zum Ausfall unternehmenskritischer Applikationen führen.

Sie haben an der Java-Messaging-Spezifikation mitgearbeitet? Wie sehen Sie den Standard im heutigen SOA-Kontext?
Chappell:
JMS ist ein Standard für Enterprise Messaging, der sowohl bei den Anbietern als auch bei IT-Entwicklern auf große Akzeptanz gestoßen ist. In der neuen Welt von SOA und ESB wird JMS auch weiterhin das bevorzugte Mittel sein, um Applikationen auf Basis von Java EE-Applikationsservern über den ESB mit anderen Applikationen zu verbinden. Da ein ESB zwischen Protokollen und Transportfunktionen vermittelt, können diese JMS-basierten Applikationen jetzt in Form von Services über den Bus mit anderen Applikationen kommunizieren, wobei es keine Rolle spielt, welche Protokoll- oder Schnittstellenstandards von den anderen Applikationen verwendet werden.

Sonic & Apache Synapse

Mitte August hat die Apache Software Foundation ein neues Projekt mit dem Namen Synapse initiert. Es handelt sich dabei um ein Integrations-Server-Projekt mit dem Ziel, eine komplette Suite von Web-Services-Infrastruktur-Software zu entwickeln. Dabei soll das Projekt, das auch als Web Services Broker bezeichnet wird, von den Funktionen her vergleichbar mit einem Enterprise Service Bus sein und Aufgaben wie die Übersetzung zwischen verschiedenen XML-Dokumentformaten und das Routing von Informationen bewältigen. Der initiale Code für das Projekt stammt von Sonic Software und dem Web Services-Management-Unternehmen Infravio.

Sonic ist eines der Unternehmen, die den JSR 208 – Java Business Integration (JBI) – vorangetrieben haben. Wie schätzen Sie den Stand der Dinge und die weitere Arbeit daran ein, besonders angesichts der Tatsache, dass der JSR in Frage gestellt wird, nachdem sich IBM und BEA aus der Expert Group verabschiedet haben.
Chappell:
Die JBI 1.0-Spezifikation wurde ja am 20. Juni verabschiedet. Viele Mitglieder aus der Expertengruppe, darunter Sonic, Sun, IONA, SAP und Tibco, beteiligten sich kürzlich an einer Interoperabilitätsdemo, bei der verschiedene JBI-Services an einen JBI-Container angebunden wurden und auf der Grundlage der durch die Spezifikation definierten Schnittstellen miteinander kommunizierten. In der nächsten Phase wird es darum gehen, dass die Mitglieder der Expert Group die Unterstützung der Spezifikation in ihren jeweiligen Produkten implementieren. Am Ende wird ein neues Umfeld entstanden sein, bei dem Enterprise-Architekten die Möglichkeit haben, Best-of-Breed-Integrationskomponenten von verschiedenen Anbietern auszuwählen und über eine Infrastruktur wie den ESB miteinander zu verbinden. IBM und BEA werden letzten Endes die JSR 208-Spezifikation unterstützen müssen, sobald dies von deren Kunden verlangt wird. Da Sonic zu den Gründungsmitgliedern der Expert Group gehört, werden die JBI-Anforderungen in der Zwischenzeit bereits in unserem ESB realisiert sein.

IONA und Sun haben einen Open Source ESB angekündigt. Wie ist Ihre Einschätzung dazu? Hat Sonic etwa auch Pläne, einen Open Source ESB zu veröffentlichen?
Chappell:
Als Sonic das ESB-Konzept erfunden hat und vor dreieinhalb Jahren den ersten ESB auf den Markt brachte, gingen wir davon aus, dass Unternehmen die Ideen der ESB-Architektur vornehmlich nutzen würden, um anhand einer leistungsstarken serviceorientierten Architektur die Herausforderungen der Applikationsintegration zu meistern. Wie bei allen erfolgreichen Technologien, folgten auch andere Anbieter dem ESB-Konzept. Open-Source-Initiativen wie die von IONA und Sun unterstreichen die Bedeutung des ESB auf einem Markt, der sich in den nächsten Jahren zu einem Multi-Milliarden Dollar-Markt entwickeln wird.
Sowohl die ObjectWeb- als auch die Sun-Initiative stärken den ESB als eigenständige Technologiekategorie. Sie sind ein weiterer wichtiger Schritt dahin, dass sich das ESB-Konzept in der Industrie durchsetzt und als Basis für die SOA angenommen wird. Sonic unterstützt diese Initiativen voll und ganz und erwartet zunehmende ESB-Implementierungen auf dem Markt.
Sonic befürwortet Open-Source-Initiativen; seit einigen Jahren gestalten wir das Axis-Projekt aktiv mit und treiben voran, dass es ein integraler Teil der Service-Infrastruktur des Sonic ESB wird. Wir werden auch weiterhin neue Open-Source-Projekte evaluieren, haben aber bis jetzt noch keine Pläne, andere Open-Source-Initiativen zu unterstützen (siehe auch Kasten).

Wir danken Ihnen für das Gespräch.

Die Fragen stellte Alexander Neumann.

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