Donnerstag, 24. Mai 2012


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Juni 2010 | Artikel

BlackBerry in neuen Gefilden

(Link zum Artikel: http://www.entwickler-magazin.de/jaxenter//003184)

Mobile-Welten-Kolumne

Text: Kay Glahn
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Auch der kanadische Hersteller Research in Motion (RIM) hat gesehen, wie man mit App Stores und Privatkunden Geschäfte machen kann, und möchte nun ebenfalls ein Stück vom Kuchen abhaben. Im Folgenden wollen wir den aktuellen Stand der BlackBerry App World und RIMs Java-ME-Smartphone-Plattform etwas genauer unter die Lupe nehmen.

Apple hat es mit dem iPhone vorgemacht und nun ziehen zahlreiche Hersteller nach. RIM ist mit seinen BlackBerry Smartphones ebenfalls dabei. Im Moment ist gerade zu beobachten, wie der in der Vergangenheit vor allem auf Geschäftskunden spezialisierte Anbieter seine Geschäftsstrategie ändert und auch den Privatkundenbereich stärker adressieren will. Durch neue Geräte und Dienste sowie den Verkauf von Apps sollen in diesem Segment neue Einnahmequellen erschlossen werden. Anfang April hat RIM auch die Firma QNX Software Systems übernommen, um somit in den Bereich von Audio- und Infotainment-Systemen im Auto vorzudringen und die User Experience mit KFZ-Systemen und Smartphones zu verbessern. Auch hier scheint man ein weiteres Geschäftsfeld erschließen zu wollen. Um auch kleinen Unternehmen den Einstieg in die BlackBerry-Technologie zu erleichtern, wurde außerdem kürzlich die kostenlose Express-Version des BlackBerry Enterprise Server vorgestellt, die die Synchronisation mit dem Microsoft Exchange und Small Business Server ermöglicht und speziell auf den Bedarf kleiner Unternehmen zugeschnitten ist.

BlackBerry setzt auf Java

Was die Plattform für mobile Applikationen angeht, so setzt RIM beim BlackBerry komplett auf Java und unterstützt zusätzlich seit Kurzem auch Widget Development auf Basis von HTML, CSS, JavaScript und Ajax. Auch ein Großteil der internen Anwendungen des BlackBerry ist in Java entwickelt. RIM hält sich jedoch nicht ganz an das im JCP spezifizierte Standard-Java-ME. Neben einem eigenen Deployment-Format stellt die Plattform zahlreiche proprietäre BlackBerry APIs bereit, die zwar nicht als JSR spezifiziert sind und somit eine Kompatibilität mit Java-ME-Plattformen anderer Hersteller verhindern, dafür aber dem Entwickler die Möglichkeit geben, das volle Potenzial aus dem BlackBerry mithilfe von Java herauszuholen. Sie dienen z. B. dem Zugriff auf Kamera, Navigation und BIS/BES-Serverinfrastruktur. Einige APIs wie die Runtime, BlackBerry Application sowie BlackBerry Crytography APIs können nur mit signierten Anwendungen genutzt werden, für deren Nutzung sich Entwickler zunächst bei RIM registrieren müssen.

Für Java-Entwickler ist aber trotz der proprietären Erweiterungen ein sehr schneller Einstieg in die BlackBerry-Plattform möglich, was sie dadurch aus Entwicklerperspektive zum direkten Konkurrenten von Goolges Android macht, wo man Applikationen ebenfalls in Java entwickelt. Trotz allen Hypes um die Newcomer iPhone und Android liegt BlackBerry, was den weltweiten Marktanteil angeht, den beiden Plattformen noch um Längen voraus und belegt mit einem Marktanteil von 20,8 Prozent im Jahr 2009 den zweiten Platz nach Symbian. Vor allem in Nordamerika ist der BlackBerry noch weiter verbreitet und liegt klar an erste Stelle im Smartphone-Segment. Für den Entwickler wird es dadurch möglich rund 21 Millionen Geräte mit einer weitgehend homogenen Java-Plattform zu adressieren. Doch auch RIM muss sich einer großen Herausforderung stellen, um Fragmentierung zu vermeiden, da gerade für den Consumer-Bereich Geräte mit neuem Formfaktor, wie das erst kürzlich auf der WES 2010 angekündigte BlackBerry Pearl 3G mit herkömmlicher Nummerntastatur, hinzukommen. Ein großer Vorteil ist hierbei aus Entwicklerperspektive, dass die Plattform in der Hand eines einzigen Herstellers ist und es somit wesentlich einfacher ist, Fragmentierung im Zaum zu halten, als beispielsweise bei Android, das von zahlreichen verschiedenen Herstellern in verschiedenen Varianten auf verschiedenen Geräteklassen bereitgestellt wird. Mit der Widget-Plattform, die ebenfalls den Zugriff auf die BlackBerry APIs ermöglicht, sollen zusätzlich zu den Java-Entwicklern auch Webentwickler und -designer mit ins Boot geholt werden.

Kostenlose Entwicklungstools von RIM

Die Entwicklung erfolgt entweder mithilfe des BlackBerry Java Development Environments (JDE) mit integriertem Emulator oder alternativ mit dem BlackBerry Java Plug-in for Eclipse v1.1. Dieses ermöglicht das Erstellen, Debuggen und Ausführen von Java-Anwendungen auf Emulatoren für verschiedene BlackBerry-Geräte und Betriebssystemversionen unter Eclipse 3.5. Das BlackBerry-Web-Plug-in v2.0 steht neben Eclipse auch für Microsoft Visual Studio zur Verfügung und ermöglicht außer dem Erstellen von Web Content auch das Erstellen und Debuggen von BlackBerry Widgets im mitgelieferten Emulator. Ein weiteres wichtiges Tool ist das BlackBerry Java SDK, das inzwischen in der Version 5.0 zur Verfügung steht. Es unterstützt die Nutzung von OpenGL ES für 3-D-Grafik, Touch Screen und Accelerometer sowie umfangreiche UI-Komponenten und Location-based Funktionalitäten. Per SQLite wird die persistente Speicherung von Daten sowie der Datenaustausch zwischen verschiedenen Java-Applikationen und per Google Gears auch mit Widgets ermöglicht.

Application-Kaufhaus BlackBerry App World

Auf BlackBerry-Geräten werden seit vielen Jahren Thrid-Party-Applikationen unterstützt. Mit der BlackBerry App World, die seit April 2009 online ist, geht RIM aber noch einen Schritt weiter und folgt dem Vorbild Apples. Neben einem RIM Store gibt es auch angepasste Application Stores für Netzwerkbetreiber. Bisher hat RIM lediglich das Billing per PayPal unterstützt, was für Nutzer ohne PayPal-Account oft eine zusätzliche Hürde dargestellt hat, da sie erst einen PayPal-Account erstellen mussten. Mitte April hat RIM jedoch angekündigt, zusätzlich Billing per Kreditkarte sowie über die Telefonrechnung des Netzwerkbetreibers anzubieten. Bisher hat RIM Entwicklern, die ihre Anwendungen in die App World eingestellt haben, ein lukrativeres Beteiligungsmodell als beispielsweise Apple und Google angeboten. Doch RIM hat angekündigt, dass im Rahmen der erweiterten Abrechnungsmechanismen statt bisher 20 Prozent nun die Marktüblichen 30 Prozent des Umsatzes einbehalten werden. Im Gegensatz zu Apple unterstützt RIM neben der App World auch die direkte Verteilung von Applikationen. Der Nutzer kann entweder die herkömmlichen Installationsmechanismen z. B. über den PC nutzen oder seine Applikationen auch über andere Application Stores wie GetJar oder Handango beziehen. Aus diesem Grund ist die tatsächliche Anzahl an verfügbaren Apps vermutlich wesentlich größer als die in der App World zurzeit vorhandenen rund 6000 Applikationen. Neben Java Apps können Entwickler über die App World auch Web Apps, Widget sowie Themes zum Verkauf anbieten. Die App World unterstützt auch ein integriertes Rating, über das die Benutzer Anwendungen bewerten können. Auf den Geräten muss mindestens die BlackBerry-Device-Software in der Version 4.2 laufen, damit Applikationen aus der App World genutzt werden können. Um Entwicklern einen zusätzlichen Anreiz zu geben, hat der BlackBerry Partners Fund im Rahmen der WES 2010 die BlackBerry "Super Apps" Developer Challenge mit einem Preisgeld von insgesamt über 1,5 Millionen US-Dollar ausgeschrieben. Hier können bis zum 6. September Anwendungen eingereicht werden, die sich die besonderen Eigenschaften der Blackberry-Geräte zu nutzen machen.

Fazit

RIM übernimmt mit der BlackBerry App World ähnlich wie Goolge mit dem Android Market das Konzept des Apple App Stores. Für Entwickler ergeben sich hier ganz neue Möglichkeiten, neue Kunden zu erreichen. Im Gegensatz zu Apple bindet man sich aber nicht komplett an einen Anbieter, der entscheidet, welche Apps letztendlich in den App Store aufgenommen werden, da man auch alternative Vertriebswege nutzen darf. Da die Entwicklung überwiegend in Java erfolgt, kann man sich ähnlich wie bei Android relativ schnell in die Entwicklung einarbeiten. Ob es RIM gelingt, weiter in den Consumer-Bereich oder gar in den Automotive-Bereich vorzudringen und seine Verbreitung auch außerhalb Nordamerikas zu erhöhen, wird sich zeigen. Auf jeden Fall ist die BlackBerry-Plattform als Konkurrent von iPhone, Android und Co. nicht zu vernachlässigen und bietet mit der App World interessante neue Geschäftsfelder für Java-Entwickler.

  1. BlackBerry Developer Zone
  2. BlackBerry App World

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