Eigentlich ist sich die große Masse der Bevölkerung des Universums restlos darüber einig: Die Geeks stammen vom Maulwurf ab. Warum? Ganz einfach: Wer sonst würde in völliger Dunkelheit, absolut unsichtbar und fast geräuschlos vor sich hin werkeln und am Ende einen großen Haufen Mist zu Tage befördern, über den die anderen nur stolpern und den niemand in seinem Vorgarten haben möchte? Eben. Das Problem dabei ist nur, dass diese besagte große Masse der Bevölkerung an sich nicht einmal unfallfrei zwei nebeneinander platzierte Tasten drücken kann, ohne bei einem Vertreter der sog. Supportler anzurufen, einer – oberflächlich gesehen – extrem unterprivilegierten Gattung, die jedoch insgeheim die gesamten Geschicke des Universums lenkt.
Daher kann man dieser großen Masse der Bevölkerung in ihrem Urteil über die Geeks nicht wirklich trauen, was die irdischen Wissenschaftler unmittelbar dazu veranlasst hat, die täglichen Hirnströme und generell die Denkweise eines nachts auf dem Office-Planeten gefangenen Geeks zu analysieren, der dabei erwischt wurde, wie er versucht hat, aus gammelnden Kaffeebechern und leeren Schachteln von Hong Tong’s Nr. 77 eine Himmelstreppe zu bauen, um einem inneren Dead Lock zu entfliehen. Der arme war komplett ausgehungert, da er sich in einer mentalen Endlosschleife befand und seit Tagen auf eine Mutex-Freigabe wartete. Genau dieses Phänomen brachte die Wissenschaftler dazu, den gefangenen Geek freizukaufen und im Labor zu untersuchen, noch bevor er zur Belustigung der großen Masse der Bevölkerung zur Schau gestellt werden konnte.
Was die Wissenschaftler bei ihrer Untersuchung entdeckten, war verblüffend. Nicht, weil die Gedankenabläufe des Geeks so ungewöhnlich wären – ganz und gar nicht. Das verblüffende war die Ähnlichkeit dieser Gedankenzüge mit den Computerprogrammen, die eben von diesen Geeks selbst entwickelt wurden. Während ein allgemeiner Vertreter der großen Masse der Bevölkerung es schaffte, innerhalb einer Sekunde mehrere völlig nutzlose und farbenfreie Gedanken zu haben und sie genauso schnell wieder zu vergessen, dachte der Geek in einer ziemlich klar strukturierten, algorithmischen Sequenz, jedoch recht langsam, aber dauerhaft konstant. Hier zur Demonstration und als Beweis, einer der wenigen erfolgreich extrahierten Gedankenabläufe:
| 10 | Tippe "synchronized {" |
| 20 | Sehe gedankenverloren in die Glotze |
| 30 | Trommele nachdenklich mit den Fingern |
| 40 | Greife zum Kaffeebecher |
| 50 | Versuche, den letzten Tropfen herauszuschütteln |
| 60 | Stelle fest, da ist nichts drin |
| 70 | Stehe auf |
| 80 | Laufe zur Tür |
| 90 | Schlage ein Bein am Nachbartisch an |
| 100 | Fluche leise oder laut (optional, kann auch mit nervösem Kichern alterniert werden) |
| 110 | Laufe in die Küche |
| 120 | Stelle fest, der Kaffeeautomat blinkt: "Entkalke mich" |
| 130 | Ignoriere das Blinken |
| 140 | Schenke mir einen neuen Kaffee ein (und hinterlasse leeren Wasserbehälter) |
| 150 | Gehe zurück ins Zimmer |
| 160 | Schlage das andere Bein am Nachbartisch an |
| 170 | Fluche leise oder laut (diesmal nicht optional) |
| 180 | Setze mich hin |
| 190 | Tippe "if () {" |
| 200 | Sehe gedankenverloren in die Glotze |
| 210 | Trommele nachdenklich mit den Fingern |
| 220 | Greife zum Kaffeebecher |
| 230 | … |
Fallen Ihnen irgendwelche Anomalien auf? Nein? Ok, hier etwas Hilfe:
- Der Prozess erfolgt offensichtlich in völliger Dunkelheit
- Er wiederholt sich hartnäckig
- Er ist ziemlich sequenziell, fast wie ein gerichteter azyklischer Graph
- Nebenläufigkeit findet aufgrund erhöhter Gehirntätigkeit und der Belagerung der restlichen Gehirnkapazität durch den extremen Kaffeedurst nicht statt
Die Wissenschaftler wollten es aber wissen. Mitten in diesem Prozess schalteten sie einfach die Bürobeleuchtung ein, so wie es ein Vorgesetzter getan hätte. Die Reaktion des Geeks auf dieses Ereignis war, sagen wir mal, aufschlussreich. Seine Sinne wurden vollständig gestört, die nun gesteigerte Umgebungswahrnehmung überfüllte seine Register und Schaltkreise – ups, Verzeihung, Hirnzellen und Nerven, was zu dem folgenden, modifizierten Denkprozess führte:
| 10 | Sehe gedankenverloren in die Glotze |
| 20 | Trommele nachdenklich mit den Fingern gegen den Tastaturrand |
| 21 | (Licht geht an) |
| 30 | Erzittere erschrocken |
| 40 | Sehe völlig verängstigt um mich herum |
| 50 | Versuche die Augen mit der Hand vor Licht zu schützen |
| 60 | Schmiere Pizzareste von der Handfläche ins Gesicht |
| 70 | Schaue verstört auf die Hand |
| 80 | Schaue verstört in die nähere Tischumgebung |
| 90 | Registriere die vielen leeren Pizzaschachteln und Bier- oder Cola-Flaschen |
| 100 | Lege den Kopf auf die Arme auf dem Tisch |
| 110 | (Endlosschleife in diesem Zustand) |
Den Wissenschaftlern wurde es Bange um ihr Versuchskaninchen, also schalteten sie das Licht wieder aus. Das Experiment hat eindeutig gezeigt, dass die Geeks massive körperliche und mentale Vorurteile gegenüber der Bürobeleuchtung haben. Sie mussten den armen Geek sogar mit etwas Metallica aus der Endlosschleife heraus hämmern, so schlimm war es.
Und was ist die Moral? Lasst verdammt nochmal das Licht im Geek-Zimmer aus, liebe Chefs!




