Ich weiß es noch so gut, als wäre es gestern gewesen: Damals, im zarten Alter von vier oder fünf Jahren, bin ich das erste Mal mit Computern in Berührung gekommen. Damals – die Jüngeren unter Ihnen wissen es vielleicht überhaupt nicht – waren Computer noch gar nicht so klein und handlich wie heute. Und telefonieren konnte man damit auch nicht so richtig. Ich muss gestehen, dass ich nicht schlecht erstaunt war, als ich ein paar Jahre später erfahren habe, dass Computer schon viel älter sind als ich. Und dass sie früher noch weniger konnten. Mit großen Augen habe ich mir von meinen Eltern erklären lassen, wie das damals war. In einer Zeit vor lächerlich riesigen 5-1/4-Zoll-Festplatten und 640 K Arbeitsspeicher. Tja, ich bin eben schon groß eingestiegen. Vielleicht liegt es an dieser Hintergrundgeschichte, dass mich auch heute noch Rechner aller Art faszinieren. Und nicht nur hypermoderne Hochleistungs-Notebooks oder Smartphones oder Spielemaschinen mit Grafikkarten, die alleine schon genügend Power haben, dass man damit früher wahrscheinlich Menschen auf den Mond hätte schießen können … nein, auch die Geschichte hat es mir angetan. Man weiß ja: früher war alles besser!
Da kam "Computergeschichte(n) – nicht nur für Geeks" von H. R. Wieland gerade recht. Es ist kein Buch, das mich belehren möchte; es ist ein Buch, das mich mit Geschichten aus der Geschichte versorgt. Dabei macht Wieland vor nichts halt; der Rosenkranz ist ebenso ein Thema wie der Cray CX1. Da gerät der Geek in mir natürlich ins Schwärmen. Das geht auch im zweiten Teil weiter, in dem er sich mit der Geschichte der Software beschäftigt. Und im dritten Teil, in dem es um die Zukunft geht. Und überhaupt: Es geht um Klassiker, die einem schon beim Stöbern in der Inhaltsangabe ein Lächeln ins Gesicht zaubern. Oder zaubern sollten. Und wenn es nur eines der berühmtesten Zitate der letzten Jahre ist: Das Internet ist doch bloß ein Hype.
Tja, Bill – da hast du dich wohl geirrt.
Das Beste an dem Buch ist die Tatsache, dass man sich nicht von vorne bis hinten durcharbeiten muss. Durch den geschickten Aufbau, durch die Geschichten, die zu jedem Punkt erzählt werden, kann man sich sein eigenes kleines Lesevergnügen zusammenstellen. Ganz, wie es sich für ein Buch für Geeks und alle, die es werden wollen, gehört. Darüber hinaus wurde auch an das Kind im Manne gedacht; die beiliegende DVD ist vollgestopft mit Software, mit der sich nicht nur Antikythera-Maschinen simulieren lassen. Und mal unter uns: Spätestens dann, wenn man die Praxisbeispiele zu den Denkmaschinen gefunden hat, ist man bereit, sich von der Außenwelt abzuschotten, um sich bis zur Übermüdung mit den Beispielen zu beschäftigen.
Wer Zuse, Leibniz und Turing zu seinen persönlichen Helden zählt, wer ALGOL nicht für die Bestellung eines Volltrunkenen abends an der Bar hält und sich auch nur ein klein wenig für Soft- und Hardware interessiert, der kommt an "Computergeschichte(n) – nicht nur für Geeks" nicht vorbei. Allen anderen sei gesagt, dass es nicht schaden kann, sich ein wenig mit der Geschichte auseinanderzusetzen. Vor allem, wenn sie so unterhaltsam verpackt ist wie eben in diesem Buch.
Und nur keine falsche Scheu vor Papier! Im Sommer kann man auch gerne mal ein Buch in die Hand nehmen; es gibt schöne Cafés und Parks. Bücher waren schon immer mobil – und damals, als man sich an "mobilen" Rechnern noch Haltungsschäden zugezogen hat, war es üblich, von Papier zu lesen.



